Der Jesus-Götze

Was ist ein Götze. Ein Götze ist ein Gott, dem man eine bestimmte Form gibt. Meist in Form von Statuen. Im alten Israel gab es z.B. JHWH Götzen. Kleine Figuren mit JHWH Gravuren. So wurde aus dem wahren Gott ein Götze, desse Macht begrenzt war und der eine Frau hatte. In diesem Artikel will ich aber nicht über Jesusstatuen sprechen, sondern über Formen im Kopf. Wie das Denken der Menschen Jesus zu einem Götzen degradiert.

Jesus ist die bekannteste Figur der gesamten Welt. Er ist eine Figur, die die Leute spaltet oder vereint. Die einen hassen diese Figur, andere lieben sie. Warum schreibe ich Figur, warum nicht Person? Weil die meisten Menschen mit der Person Jesus (dessen richtiger Name Jeschua ist) nie in Berührung gekommen sind.
Im weiteren Artikel werde ich strikt zwischen Jesus (dem weltlichen Konterfei) und Jeschua (dem biblischen Original) unterscheiden. Somit weiß man immer, über wen ich gerade schreibe.
Die meisten Menschen wurden durch einen Etikettenschwindel hereingelegt und wurden nur mit bestimmten Konstrukten vertraut gemacht, denen man den Namen Jesus gegeben hat. Das meiste davon hat nichts mit dem zu tun was Jeschua tatsächlich ausmacht. 

Jesus ist ein Trademark, eine Marke, ein Slogan, ein Mantra, ein Zauberspruch, ein Götze.

Das klingt sehr provokant und das soll es auch. Mich provoziert das unreflektierte, dümmliche Jesusgeschwafel, das man in absoluter Respektlosigkeit vor sich hin brüllt, wie ein Abrakadabra. Das frenetische Geschrei völlig entgeisteter, als wären sie auf einem Justin Bieber Konzert. Mich triggert dieses Gequatsche über Jesus, von Leuten die nicht  wissen, was überhaupt dahinter steckt.

Jeschua selbst sagte: „Nicht jeder der zur mir sagt ‚HERR!‘ wird in das Himmelreich kommen,...“, „Was nennt ihr mich ‚HERR!‘ und tut doch nicht was ich sage?“ „Sie werden sagen ‚Haben wir nicht dieses und jenes in deinem Namen getan‘ und ich werde ihnen sagen ‚Ich habe euch nie gekannt, weg mit euch!‘“

Jeschua selbst wusste, dass ein Haufen Leute so tun werden, dass sie etwas mit ihm zu tun haben, ohne dass das tatsächlich der Fall ist. „Etliche werden kommen und sagen, dass ich (Jeschua) der Messias bin, und viele irreführen.“ Das Christentum ist ein Hütchenspiel, nichts weiter. Unter welchem Hütchen ist der echte Jeschua? Richtig, unter keinem. So läuft eben das Spiel. Would the real Yeshua please stand up?

Der historische Jesus

Niemand auf Erden, der von Jeschuas Taten weiß und den Einfluss kennt, den er auf die Weltgeschichte hat, kann an ihm vorbei. Eine gangbare Lösung für dieses Problem ist der „historische Jesus“. Dieser Weg wird von Leuten beschritten, die eigentlich nichts mit ihm zu tun haben wollen, aber dennoch nicht umhin kommen, seinen Einfluss anzuerkennen. Seien es Atheisten oder jüdische Gelehrte. Der historische Jesus ist eine Kunstfigur, die man durch selektive Quellen gepaart mit dem eigenen Weltbild erschafft. Sowohl in atheistischen wie jüdischen Strömungen ist das Ergebnis allerdings ähnlich. 

Beide lehnen das Neue Testament ab. Obwohl es das besterhaltene schriftliche historische Zeugnis der Menschheitsgeschichte ist (Wir haben mehr antike Kopien davon als von jedem anderen Werk, inklusive Torah), obwohl es von mindestens acht verschiedenen Autoren verfasst wurde und durch historische und geografische Quellen untermauert wird, wird so getan als seien die Verfasser unzurechnungsfähig. 

Das Argument ist so einfach, wie schwachsinnig. Man könne den Jüngern nicht trauen, da sie ja eben Jünger seien.
Man erwartet Berichte von Leuten über Jeschua, die eben nicht glaubten, dass er der Messias sei. Klingt erst mal logisch. Unvoreingenommen sollen sie sein. Unparteiisch sozusagen. Dennoch ist das ungefähr so sinnvoll wie von Leuten, die nicht an Feuer glauben, einen Bericht zu erhalten, wie ein bestimmtes Haus abgebrannt ist. Welcher vernünftige Mensch könnte sehen, wie eine Person ohne Medizin Kranke heilt, Behinderte wieder herstellt, Tote auferweckt, ja selbst vom Tode aufersteht und dann in den Himmel hinauffährt, ohne zu der Überzeugung zu kommen, dass dieser Mensch etwas besonderes, ja der Messias, war? Eine Person die diesen mentalen Spagat hinbekommt, wäre geistig gestört und keine vertrauenswürdige Quelle. 

Aber sei es drum. Somit muss man sich eben mit anderen Geschichtsschreibern begnügen, die höchstens Gerüchte über Jeschua gehört haben, wie z.B. Flavius Josephus, Tacitus, Sueton, Mara Bar Serapion und den Schreibern der Mischna. Der Vorteil an dieser recht eingeschränkten Sicht ist, dass man kaum etwas von Jeschua liest. Er wurde angeklagt und hingerichtet, seine Anhänger behaupten er sei auferstanden, etc. So hat man genug Platz sich sein eigenes Bild zu erschaffen und Begründungen dafür zu finden, wie „ein jüdischer Wanderprediger aus der Provinz Judäa“ zu weltweitem, schier ewig währendem Ruhm kommen konnte. Für die einen war er ein Hurensohn der ägyptische Zauberei lernte und das einfache Volk damit verwirrte, für die anderen ein großer Philosoph und Reformer wie Konfuzius und wieder für andere war er der Anführer einer Rebellion gegen Rom die scheiterte, ähnlich wie Bar Kochba. Das all diese Theorien höchstens erklären warum er beliebt war, aber keineswegs warum Leute immer noch bereit sind für ihn zu sterben, wird ausgeblendet. Man hat was man wollte. Eine Ausrede.

Der Kumpeljesus

Kumpeljesus ist eine fiktive Figur aus dem recht blasphemischen Film ‚Dogma‘. Es handelt sich um ein neues Image für Jesus, dass die Massen ansprechen soll. Ein breites Grinsen, erhobene Daumen und ein Zwinkern sind es, die diesen leblosen Abklatsch charakterisieren. 

In der Realität ist das der Jesus der einem am ehesten begegnet, wenn man dann doch mit Leuten in Kontakt kommt, die an ihn glauben. Sei es auf gewissen christlichen Fernsehsendern, auf christlichen Internetseiten, bei der Straßenevangelisation oder in christlichen Filmen, Jesus wird stets als ein grinsender, pazifistischer Hampelmann dargestellt. Ernste Warnungen werden höchstens mit einem Zwinkern vorgetragen, scheltende Worte werden von einem beschwichtigenden Lachen begeleitet und auf der Straße tönt es „Jesus liebt dich!“ oder „Jesus liebt alle Menschen!“. Jesus wird in dieser Form zur evangelikalen Form des Weihnachtsmannes (ohne die Rute natürlich). Er ist dazu da uns zu gefallen „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“? 

Liest man hingegen die Evangelien aufmerksam, so findet sich eine andere Person. Ein himmlisches Wesen auf Erden das zuweilen mit dem Menschen verzweifelt. Er warnt Leute ernstlich, er hat Mitleid mit ihren Schwächen, er fragt „Wie lange wollt ihr mich noch ermüden?“ Er lacht nicht, er weint. Er grinst nicht, er blickt ernst auf uns und ruft „Kehr endlich um du hurerische und perverse Generation!“ Niemand thematisiert das Endgericht und die Hölle (Vernichtung) so eindringlich wie Jeschua. Niemand weist uns so eindringlich an, ALLES mögliche zu tun um nicht im Feuer zu landen. Ja er kam um den Weg der Erlösung zu ebnen, doch sagt er auch ganz klar, dass nur sehr wenige ihn finden. Und es bricht im das Herz, dass seine Warnung im Winde verhallt. Wer meint, dass die inklusivistische Buddah-Mohammed-Jesus-Queer-Bewegung diesen schmalen Weg geht, wird mit seinem Kumpeljesus im Nichts verschwinden.

Der persönliche Jesus

„Your own personal Jesus“, so singt es die Band Depeche Mode. Wer mit dem platten Kumpeljesus nicht auf der Euphoriewolke schwebt, weil man eben doch Mensch ist und seine eigenen Probleme hat, für den gibt es dann den #personalJesus. Der Jesus der mich hört, auf meine Wünsche eingeht, für mich die Lanze bricht. Auch dieses Bild hat einen wahren Kern. Jeschua geht es um Verbundenheit mit seinen Jüngern, er will Anteil am Leben haben, er möchte, dass wir auf ihn bauen. Doch ähnlich wie beim Kumpeljesus geht es beim persönlichen Jesus im Grunde nur um das eigene Ego. Jesus wird nicht gebraucht um einen zu verändern, er wird gebraucht um sich selbst zu rechtfertigen. Er ist dazu da meinen Stolz, meinen Zorn, meinen Schmerz, meine Lust, meine Gier, ja alles was das Ego eben so will, für OK zu erklären, bloß nicht richten. Auch in dieser Bewegung ist die Schrift an sich egal. Es ist sogar eine für den weltlichen Menschen gangbare Variante des Glaubens, denn er verlangt nichts, er gibt nur. Ich muss nichts machen, nur fordern. Ich muss nicht vertrauen, nur meinen eigenen Unmut zum Maßstab aller Dinge erheben. Der persönliche Jesus ist die reinste Form eines Götzen, da es ihn nicht wie sonst, als einheitliche Variante gibt, sondern jeder seinen eigenen hat. Was der eine in Jesus sieht ist somit völlig unabhängig davon was geschrieben steht, oder was jemand anderes sieht. Diese rein emotionale Inkarnation eines Ersatzerlösers ist besonders gefährlich, da sie ähnlich wie eine Depression in eine Abwärtsspirale führt. Um so schlechter man sich fühlt, umso mehr häuft man diesem Jesus auf, umso mehr kapselt man sich von der Realität ab und um so schlechter geht es einem selbst. So gibt es keine Heilung sondern nur Pflege der Krankheit. So wird Jesus zum seelischen Mülleimer und nicht zum Erlöser.

Der Ersatzgott

Dieses Thema ist besonders herausfordernd, da in der heutigen Zeit kaum noch begriffen wird, wer oder was Jeschua ist. Sowohl in den meisten christlichen, als auch in vielen messianischen Gruppen ist das Thema, wer ist Jeschua sehr umstritten. Es geht von der ‚klassischen Trinität‘ über eine Art ‚der Sohn ist der Vater‘ über verschiedene Zwischenformen hin zu ‚Er war nur ein auserwählter Mensch‘.
Ich werde nicht versuchen verständlich zu machen wer Jeschua ist, dafür würde ein Artikel allein nicht reichen. Ich möchte aber, um Missverständnissen vorzubeugen ganz klar bekennen:

Jeschua ist, das aus Gott geborene, Fleisch gewordene Wort Gottes, welches seit Anbeginn ein Teil Gottes ist, welcher in dieser Welt agiert und den allmächtigen, allgegenwärtigen, allwissenden Gott in dieser Welt repräsentiert.

Ich bin also mit Nichten einer der versucht Jeschua in irgendeiner Weise herunterzuspielen. Dennoch gibt es eine gefährliche Verschiebung in den Köpfen vieler „Jesus Fans“, die dafür sorgt, dass Jesus Gott den Vater verdrängt hat. Man möge nun sagen, "jeder der den Sohn ehrt, ehrt den Vater" und "man soll den Sohn ehren wie den Vater" und das ist absolut korrekt. Doch nimmt es Auswüchse an in denen man den Sohn bzw. was man aus ihm macht, mehr ehrt als den Vater, ja der Vater geradezu verachtet wird. Dieses Problem liegt meiner Meinung nach größtenteils in der Trinitätslehre die Vater und Sohn so dermaßen voneinander trennt, dass sie zwei völlig unabhängige Personen darstellen. Das Konzept der drei Personen der Gottheit hat in Wirklichkeit zu einem tritheistischen Pantheon geführt in dem wir die beiden Hauptgötter (Vater und Sohn) im Kampf sehen. Wie oft hört man „Gott im alten Testament“ im Kontrast zu Jesus? Dieser Gott IM alten Testament wird im Denken ganz schnell „Der Gott des alten Testaments“ und somit nicht mehr der „Gott des neues Testaments“. Leute setzten Jehowah dann mit dem Vater gleich und diesen mit dem Gott im alten Testament. Ein Gott des Gesetzes, des Zorns, der Rache, des Gerichts. Dem stellen sie den „Gott des neuen Testaments“ Jesus gegenüber. Den Gott der Liebe, der Gnade, der Barmherzigkeit, der Freundlichkeit und der Toleranz. Ich sage nicht, dass das NT Jeschua so darstellt, es ist der Jesus den viele in das NT hineinlesen. Diese beiden Götter/Götzen sind dann im Kampf miteinander und Jesus gewinnt, zumindest den Beliebtheitskontest. Dieses verzerrte Bild schlägt sich teilweise sogar in die ungläubige Welt durch. Man sieht einen Wandel von Gesetze zu „alles geht“. Beide Götter in diesem Fall nenne ich Götzen, da sie nur selbstgebaute verzerrte Antigottheiten sind, die nichts mit der Realität zu tun haben. Ähnliche Entwicklungen kann man in der Geschichte vieler Religionen nachvollziehen. In der nordischen Mythologie verdrängte Thor (der Sohn) Odin (den Vater), in der Babylonischen Religion verdrängte Marduk (Baal, der Sohn) Ea (den Vater), … Jeschua hingegen lenkte die Aufmerksamkeit seiner Jünger immer auf den Vater, der ebenso die Quelle Jeschuas ist. Der Sohn ist sozusagen der Fluss der aus der Quelle, dem Vater, entspringt um uns zu sättigen. Und nur wer dem Fluss folgt gelangt schlussendlich zum Vater. Er selbst lehrte uns den Vater anzubeten, er stellte sich unter den Vater, da klar ist, dass ein Teil niemals größer sein kann als das Ganze, er sagte er sei „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ und das niemand zum Vater käme, als nur durch ihn. Er war nicht da um seinen Willen zu tun, sondern den des Vaters, was nicht bedeutet, dass Jeschua einen eigenen widerstreitenden Willen hatte, sondern, dass alles was zählt der Wille des Vaters ist. Somit muss festgehalten werden, dass jeder der den Sohn verwirft auch den Vater verwirft UND dass jeder der nicht zum Vater will, mit dem Sohn im Grunde nichts anfangen kann. Da viele Christen heutzutage nicht wirklich etwas mit dem Vater (diesem grausamen, rachsüchtigen, rechthaberischen Gott) zu tun haben wollen, bauten sie sich den Sohn so um, dass er selbst das Ziel wurde. Der Weg ist das Ziel, und so kommt niemand voran.

der Kirchenjesus

Der Kirchenjesus ist eine Mischung aus all den vorhergehenden Varianten bzw. sind die vorherigen Varianten bis ins extrem geführte Ausläufer der kirchlichen Doktrin. Jesus wurde durch die Kirche sehr früh entjudaisiert und somit zu einer Art griechischem Religionsphilosophen. Er wird ähnlich dem historischen Jesus entmythologisiert. Wunder die er tat werden nicht groß erwähnt, wenn doch dann in einem sehr interpretativen Kontext. Die Botschaft Jeschuas, wenn darauf überhaupt eingegangen wird, wird auf Liebe reduziert. Dabei wird völlig die biblische Definition von Liebe (wenn ihr mich liebt, haltet meine Gebote) außen vor gelassen und durch eine Art leere Disney-Agape-Liebe ersetzt. Kumpeljesus und persönlicher Jesus werden je nach Zielpublikum gewählt. Jesus wird ähnlich dem Ersatzgott in Kontrast gestellt mit dem was im alten Testament steht. Er hat das Gesetz abgeschafft, die Liebe mitgebracht und neuerdings können auch Heiden zu Gott. Doch im Großen und Ganzen ist der Kirchenjesus ein nicht existenter. Denn er wird nur noch am Rande erwähnt. 90% aller Lehren zieht die Kirche, wenn überhaupt noch aus der Schrift, dann doch nur von Paulus. Jesus ist ein Mantra, er ist ein Köder. Komm zu Jesus, sage Jesus, lade Jesus in dein Herz, aber was er sagte ist nicht mehr wichtig. Paulus lehrt uns was wir wissen müssen. Somit geht die Abstraktion weiter und Paulus verdrängt den Sohn, der den Vater verdrängt hatte, nur um in heutiger Zeit als homophober Frauenfeind gänzlich verworfen zu werden.

Wer diesem Jesus nachfolgt, hat nichts gutes mehr zu erwarten.

Schalom

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Rosch HaSchanah sameach