Iss alles was sich regt?

“Alles, was sich regt, was da lebt, soll euch zur Speise sein; wie das grüne Kraut gebe ich es euch alles.” 1. Mose 9:3

Dieser Vers wird gerne benutzt um zu “beweisen”, dass die Gebote aus 3. Mose 11 nicht für alle Menschen gelten, sondern nur für die Kinder Jisraels. Und so bald es um den Schinken, das Kasseler und den Schrimpcocktail geht ist man ganz gerne ein Grieche oder Römer, denn man möchte zwar den Segen Jisraels mitnehmen aber nicht die Verpflichtungen. 

Allein aus logischer Sicht ist klar, dass Jehowah Noach hier nicht erlaubt Schweine zu essen, denn sonst hätte sich die Debatte erledigt, da es dann keine Schweine mehr gäbe. Hätte Noach nämlich eines davon gegessen, wäre das arme kleine Schwein, das zurückbleibt, allein. Und ein Schwein allein bringt nach ca. 4000 Jahren nicht viel. 

Aber sehen wir uns den Vers mal an. Denn er sagt ALLES, was sich regt. Komischerweise wird hier das Wort רֶ֙מֶשׂ֙ ( = remes) übersetzt mit “regt” was sonst an allen Stellen als “kriechen” oder “wimmeln” übersetzt wird. Hier wird also komischerweise übersetzt “Alles, was sich regt…” anstatt, wie sonst “Alles kriechende…” Warum? Das bleibt dahingestellt. Um also ein bisschen auf die Worte einzugehen, geht es hier um “Kriechzeug”: Insekten, Eidechsen, Echsen im allgemeinen. Alles was man bei UNS normalerweise nicht isst. Das Schwein ist kein kriechendes Tier. 

Auch zu beachten ist, dass diese Tiere mit dem grünen Kraut verglichen werden. Sollte der Mensch jedes grüne Kraut essen? Natürlich nicht. Iss mal die Blätter der Kartoffel und du hast die längste Zeit ALLES grüne Kraut gegessen, iss mal ein Maiglöckchen und du wirst deine Meinung schnell ändern. 

Man sollte die Bibel immer im Kontext begreifen, da sie ein zweischneidiges Schwert ist. Man schneidet sich recht schnell selbst den Arm ab. Also gibt dieser Vers, weder aus logischer noch aus linguistischer Sicht eine Rechtfertigung her, wirklich alles zu essen, was sich regt. Was Gott im allgemeinen wirklich sagen wollte bleibt für Interpretationen offen, aber als generelle Erlaubnis alle Tiere zu essen, die es gibt, kann dieser Vers schwerlich herhalten.

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